“Wie lange drehen Sie denn an so einer Tasse ?”

Diese Frage hören wir recht oft auf unseren Märkten und wenn ich dann wahrheitsgemäß sage: ‘das geht fix - so 2 bis 3 Minuten’ dann läuft da oft der Kopfrechner der kurz überschlägt und zu dem Schluß kommt: 20 Tassen in der Stunde ... 12,- € die Tasse             

Dem ist natürlich nicht so, denn wenn alles so einfach und flink ginge wie das Drehen, dann wäre das, auch für uns, eine feine Sache.

Aber wie läuft es denn dann? Beobachten wir doch mal eben so eine Tasse und begeben uns hierzu zu den ‘Dreharbeiten’

KLappe uuuund : action!

bei den Dreharbeiten

HALT ! Stopp - nicht so schnell !        Zuerst muß ja der Ton gemischt werden: 

Tonaufbereitung

Dankenswerterweise nimmt uns die altgediente Bäcker-Teigknetmaschine das Mischen von den zwei verschiedenen Sorten Ton mit dem angesammelten Schlicker und Abrehspänen ab.

Danach wandert alles durch den Tonschneider, den es in langen Würsten wieder verläßt.

Diese Würste werden dann portioniert und können so verdreht werden.

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Das Drehen, wiegesagt, geht fix:

  • Scheibe laufen lassen
  • Ton auf die Scheibe werfen
  • Finger dranhalten
  • fertig!
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Sobald die Stücke angetrocknet (sprich: ‘lederhart’) sind kommen sie wieder auf die Scheibe und werden abgedreht. Dabei wird genau die Fußgröße festgelegt. Schließlich soll der Tassenfuß ja auf die Untertasse passen.

Sind die Tassen schon recht trocken gestaltet sich dieser Arbeitsschritt eher nervenaufreibend bis unmöglich.

 

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Mit verschiedenen Werkzeugen werden die umlaufenden Dekorstreifen verziert.

Zu diesen ‘Werkzeugen’ können auch schonmal Muscheln gehören... (Annette kommt von der Ostsee) !

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Jede Tasse braucht einen Henkel. Eine Aktion in drei Schritten :

Henkel ansetzen...

... ziehen ...

... und festdrücken.

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Zum Schluß noch den Stempel drauf und dann...

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... ab ins Trockenregal.   Bei schönem Wetter gerne auch draußen.

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Bevor die Tassen bemalt werden können müssen sie erstmal ‘verputz’ werden.

Das heißt, sie werden von irgendwelchen scharfen Graten befreit.

In diesem Stadium sind die Töpfe am empfindlichsten und vertragen keinerlei Druck oder unsanfte Stöße.

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Das Bemalen des Dekorstreifen,

und das Abdecken der Bereiche , die später nicht mit glasiert werden sollen,

sind die letzten Arbeitsschritte vor dem Glasieren.

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Da wir im Einbrandverfahren arbeiten und somit die Stücke roh glasieren, werden diese durch die flüssige Glasur wieder weich.

Daher ist zügiges, aber gleichmäßiges und ruhiges Arbeiten und ein flinkes,   Händchen von Nöten.

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Der Brennofen ist bestückt und  auch die Tasse hat ihren Platz gefunden.

Was hier wie ein wackeliger Turm aussieht steht in Wahrheit doch erstaunlich fest auf jeweils vier kleinen Röhren pro Lage.

Eine Fläche von  56 x 70 cm  stapelt sich auf diese Art ca. 90 cm hoch.

 

Ist dann alles an seinem Platz, können die vier Gasbrenner angeworfen werden. Ein Gruß noch an die Töpfe mit allen guten Wünschen für die nun folgende Verwandlung und dann kann auch die Türe geschlossen werden.

 

Wir starten den Ofen meist am Abend gegen 22°° Uhr und lassen alles langsam über Nacht vorwärmen. Am nächsten Morgen können wir dann richtig Gas geben - im wahrsten Sinne des Wortes - und so gegen 19°° bis 20°° Uhr ist die Endtemperatur von 1280° meist erreicht. Alle Öffnungen werden dann verschlossen und wir haben eine schöne warme Werkstatt !

Hat man es sehr eilig - weil man vielleicht los muß auf einen Töpfermarkt - dann kann man am folgenden Tag eventuell abends den ,noch sehr warmen, Ofen vorsichtig runterkühlen und die, noch sehr heißen, Stücke rausholen. Wir freuen uns aber immer, wenn wir genug Zeit haben noch eine Nacht verstreichen lassen zu können bevor wir dann am Morgen die Türe aufmachen.

Jetzt nur noch den Boden abschleifen, und dann...  war’s das noch lange nicht !

Das schöne Stück muß ja jetzt irgendwie zu Ihnen kommen.

Auto packen

Also:                          Alles zusammenpacken, was immer so ca. 24 Kisten  ergibt und das Auto gut füllt.

Immer wie ein kleiner Umzug.

Stand in der Sonne

Nach ca. vier Stunden Standaufbau hat alles seinen Platz - auch unsere Tasse!

Stand im Schnee

Nicht immer ist es so schön warm wie auf dem oberen Foto.

Manchmal hat sie es auch ganz nett kalt - die Tasse!

Na: Und wie lange braucht man nun für so eine Tasse ???

Keine Ahnung - aber eines läßt sich mit Sicherheit sagen:

Wir haben einen sehr schönen Beruf !

Blumenschale
Pflanztopf
alles in die Kisten

... ojojoj ... einen satten Stundenlohn haben die, - die Töpfer !

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...One more cup of coffee for the road - One more cup of coffee 'for I go - To the valley below...
Unser Bach
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... und unverändert dreht sich unsere Drehscheibe ohne Atom und Kohlestrom !

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